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Wieviel Wachstum geht noch?

Foto: Roland Lentz www.elrole.de
Foto: Roland Lentz www.elrole.de

 Ich habe da mal eine Frage. Kann mir jemand helfen mit meinem Knoten im Kopf, warum verstehe ich das nicht mit dem Wachstum

 

Die TAZ bringt es auf den Punkt mit der "Lebenslüge vom ewigen Wachstum"

https://taz.de/Green-New-Deal-der-EU/!5645937/

 

Ich frage seit Jahrzehnten meine Volkswirtschaftskollegen "Warum muss es immer wachsen" - "Weil es für Wohlstand, Freiheit, Wachstum notwendig ist - eine andere Lösung gäbe es nicht".

 

Moment Mal - stimmt das immer ?- fragt sich der Naturwissenschaftler in mir.

Es gab doch erfolgreiche menschliche Gesellschaften, die in ihren regionalen Grenzen mit ganz wenig Wachstum Hochkulturen hervor gebracht hatten, von deren Erfindungen und Philosophien wir heute noch partizipieren und deren Bauwerke wir noch bewundern.

 

Wir bewundern auch die Bauwerke auf den Osterinseln - die gibt es nicht mehr - aber die Osterinsulaner waren zu schnell gewachsen, insbesondere mit dem immer Höher und Weiter der Steinmomente ("Wer hat den größten") und hatten Raubbau an den natürlichen Ressourcen getrieben. (erinnert mich an was).

 

Wenn es erfolgreiche Gesellschaften gab in deren damaligen ökologischen Grenzen mit nur wenig Wachstum, warum soll es für die heutige Weltgesellschaft nicht gelten. Es kann nur dann nicht gelten, wenn wir den aktuellen Material- und Energieeinsatz brauchen.

 

Als Biologe frage ich dann, warum es uns Ökosysteme vormachen (See, Wald, usw.), nicht mehr zu wachsen und im "Fließgleichgewicht" zu stehen. Dann sagen mir die Volkswirtschaftler - Wir seien kultureller und anders." - Dann schaue ich verwundert. Und frage mich nach meinem Knoten im Kopf, warum verstehe ich das nicht. Ich habe doch genauso lange studiert. Na ja "gesunder Menschenverstand" würde schon ausreichen - wie hier im TAZ Artikel gut gezeigt.

 

Ökosysteme wachsen auch - schnell mit hohem Energiedurchsatz mit wenig Differenzierung - bei Besiedlung von neuen Flächen - aber nur bis zum stabilen Punkt, um dann hochdifferenziert effizient im Fließgleichgewicht zu bleiben

Es gibt m.W. wenig Ökosysteme, die auch Sonderformen mit hohem Materialaufwand und Energiedurchsatz zeigen (Wattenmeer, Korallenriff , Westküste Südamerika - muss ich nochmal schauen), aber nur funktionieren, weil sie gepampert*) werden, durch Zusatzenergie aus Flüssen, Upwelling .

Das erinnert mich natürlich an unsere menschliche Gesellschaft, die durch Sonderenergie (Öl et al.) fett und exponentiell herangewachsen ist im sich selbst verstärkenden System aus

 

 Fossile Ressourcen x Technik x Konsum x Menschen.

 

Die steht jetzt vor dem Scheideweg - weiter wachsen und platzen oder Kehrtwende.

Wie das zu meistern ist, frage ich dann die Heerscharen von Experten von Volkswirten - Da habe ich als Biologe keine Erfahrung - das gab es noch nicht.

Außer bei zu schnell wachsenden Kaninchenpopulationen, die die Wiese abfressen, sich voll kackern und durch Dichte krank werden und dann einfach wegsterben. Aber diesen ökologischen Weg wollen wir wohl nicht - wir sind ja anders , kulturell.

Aber da habe ich keine Ahnung als Nur-Biologe. Ich frage meinen Volkswirt die Tage.

 

Kann es sein, dass die Volkswirtewissenschaftler nur die Antwort des Wachstums haben, weil ihre ganze Theorie, Beweise und Extrapolationen immer nur auf Indikatoren des Wachstums durch den Zusatzeintrag von Energie beruhen?, frage ich mich. Haben Sie immer nur mit einem Netz gefangen; mit einer bestimmten großen Maschenweite ihre Erkenntnisse gefischt und es nicht mal versucht mit Netzen mit kleinerer Maschenweite. Dann hätten Sie vielleicht auch andere Ergebnisse gefunden. Sollte man mal ausprobieren.


"Dass die Menschen in  Ihrem wachsenden wirtschaftlichen Konkurrenzsystem ständig Innovationen hervorbringen und Lösungen erfinden" - so eine andere Geschichte, die mir zur Beruhigung erzählt wird - dazu stelle ich meine Fragen dann beim nächsten Mal.

 

*) bewusst gewählter Begriff :-)

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